Mai 06 2008

Jetzt können Sie beim Buch mitmachen! Hier kommt die erste Frage …

Wann ist ein Mann ein Mann?

Heute war ein guter Tag. Die Lektorin vom Verlag hat angerufen. Das Buchprojekt steht, alles ist unter Dach und Fach. Jetzt brauche ich es nur noch zu schreiben. Und wenn Sie möchten, können Sie sich dabei mitmachen.

In den nächsten Wochen werde ich immer mal eine Frage an Sie richten, die mit einem Buchkapitel zu tun hat. Wenn Sie möchten, schildern Sie mir – und den anderen Lesern/Leserinnen dieses Blogs ihre persönlichen Erfahrungen damit.

Die erste Frage lautet:

Woran erkennt man, dass ein Mann erwachsen ist?

Damit sind jetzt nicht äußerliche Merkmale gemeint („Mein Haus, mein Blackberry, mein Firmenparkplatz“), sondern mehr Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen. Denn älter wird man zwar von ganz allein. Aber wird man dadurch auch erwachsen?

In einem Interview berichten die Autoren des Sachbuchs «Anleitung zum Männlichsein» über einen von ihnen beobachteten Trend unter Männern: den Trend zum «Mann ohne Eigenschaften» . Damit meinen sie Männer, die sich nicht entscheiden können. Die zu feige sind, Verantwortung zu übernehmen, sowohl im Beruf als auch privat. Man kennt das: Jemand lobt Ihre Arbeit, dann kritisiert Sie der Chef und schon distanziert sich auch der Kollege, der es ursprünglich gut fand. Genau das sind diese «Männer ohne Eigenschaften».

Ein anderes Beispiel: Sie besuchen Ihre Eltern. Noch im Flur, Sie haben sich kaum begrüßt, trifft Sie der prüfende Blick Ihrer Mutter: „Du könntest auch mal wieder zum Friseur gehen!“

Wie reagieren Sie jetzt?

  • Abwehrend und beschwichtigend: „Ja, ja, ich wollte nur mal kurz vorbeischauen.“
  • Verärgert und angespannt: „Wann ich zum Friseur muss, entscheide ich ganz alleine.“
  • Geschmeichelt und konziliant: „Du hast ja Recht, morgen lasse ich mir die Haare schneiden.“

Woran erkennt eine Frau, dass ein Mann erwachsen ist.

Wahrscheinlich nicht am coolen Spruch („Hey, ich bin heute gut drauf – bist Du gut drunter?“) auch nicht daran, dass er stundenlang von seinen beruflichen Erlebnissen erzählt. Aber woran dann?

  • Dass Sie ihn dabei ertappen, wie er die Bedienungsanleitung der Waschmaschine studiert?
  • Dass er Sie zu einer Ballonfahrt überredet, obwohl Sie wissen, dass er fürchterliche Höhenangst hat?
  • Dass er sich zum Pinkeln unaufgefordert hinsetzt?
  • Dass er nicht jedesmal mit Ihrem Vater in Streit über Politik gerät?

Oder vielleicht sollte ich besser fragen: Woran erkennen Sie als Frau, dass ein Mann nicht erwachsen ist?

Woran erkennen Sie als Führungskraft, dass ein Mitarbeiter erwachsen ist?

  • Wenn er sechzehn Stunden durcharbeitet?
  • Wenn er es wagt, Ihre Anordnungen mit sachlichen Argumenten kritisch zu hinterfragen?
  • Wenn er Ihnen verkündet, dass er demnächst Vater wird und vorhat, die volle Elternzeit für sich in Anspruch nehmen will?

Woran erkennen Sie als Mutter, dass Ihr Sohn erwachsen ist?

Klar, Ihr Sohn wird immer Ihr Sohn bleiben, zumindest biologisch. Aber bestimmt gibt es Erlebnisse und Situationen, wo eine Mutter realisiert, dass sie nicht mehr die wichtigste Frau in seinem Leben sind. Wann haben Sie das kapiert?

  • Als er seinen Lieblingspullover, den Sie ihm geschenkt haben, in die Altkleidersammlung gab?
  • An dem Tag, als er mit dieser Schlampe tatsächlich zusammenzog?
  • Als er am Telefon ganz aufgeregt rief: „Stell dir vor, Du wirst Großmutter!“

Sie merken schon, mir fallen nur wenig aussagekräftige Beispiele ein.

frau-fragend-_smaller_photocase.jpgDeshalb meine Frage an Sie:

Woran erkennen Sie, dass ein Mann erwachsen ist?

Oder als systemische Wunderfrage formuliert:
Angenommen, Sie als Mann oder Ihr Partner oder Ihr Mitarbeiter oder Ihr Sohn würde über Nacht erwachsen sein – woran würden Sie das merken? Was wäre anders? Wie würde er sich dann in einer bestimmten Situation verhalten.

Es würde mich sehr freuen, wenn Sie Ihre persönliche Ansicht hier als Kommentar hinterlassen würden.
Ich werde Ihnen auf jeden Kommentar antworten.
Versprochen!

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20 Kommentare bisher

20 Kommentare to “Jetzt können Sie beim Buch mitmachen! Hier kommt die erste Frage …”

  1. Teufelinchen1979on 09 Mai 2008 at 08:11

    Durch meine persönlichen Erfahrungen würde ich sagen, dass ein Mann erst dann erwachsen ist, wenn er mit beiden Beinen im Leben steht.

    Er muss wissen, was er will, aber auch dass man Kompromisse eingehen muss, um in einer funktionierenden Beziehung zu leben.

    Er sollte zu seinen Gedanken und Taten stehen und nicht versuchen, jemand anderem die Schuld/die Verantwortung zu geben.

    Er sollte sich einfach seiner Selbst/seinen Vorhaben/Wünschen/Auswirkungen im Klaren sein!

    „Aus der Sicht einer Frau“

  2. Monika Ratherton 11 Mai 2008 at 22:31

    Lieber Roland,
    mit Verspätung, aber sehr herzlich: Glückwunsch zum Buchvertrag! Ich weiß aus eigener Erfahrung, was das für ein Hochgefühl ist, und freu mich mit Dir mit. Welcher Verlag ist es? Und, gibt es schon einen Arbeitstitel? Wie wird das Cover aussehen?
    Ich mach sehr gern als psychologischer Laie mit. Mit der Beantwortung Deiner ersten Frage tu ich mich allerdings schon sehr schwer. Was mir an erwachsenen/nicht-erwachsenen Verhaltensweisen einfällt, ist alles sexus-unabhängig.
    Ich geb mal ein Beispiel. Bei Kollegen und Kolleginnen sehe ich oft etwas, was ich ausgesprochen unerwachsen finde, und zwar betrifft das ein unangemessenes Verhältnis zum akademischen Lehrer, bei dem man vor Zeiten die wesentlichsten Schritte in die wissenschaftliche Selbständigkeit getan hat. Meist ist das der Doktorvater/ die Doktormutter, manchmal jemand anders.
    Das unerwachsene Verhalten kann sich unterschiedlich äußern, alle Fomen haben gemein, dass die unerwachsene Person keine innere Freiheit erlangt. Auch das ist schon eine Unterscheidung, die unerwachsene Personen nicht treffen – die zwischen wissenschaftlicher Selbständigkeit, also eigenständig arbeiten und publizieren können, und der inneren Freiheit zum Inhalt und zur Herkunft der wissenschaftlichen Tätigkeit.
    Ein paar Erscheinungsformen des unerwachsenen Verhaltens:
    * den akademischen Lehrer bei jeder Gelegenheit zu widerlegen versuchen, zwanghaft
    * jegliche emotionale Bindung an den Lehrer leugnen, den Lehrer verteufeln ODER den Lehrer vergöttern und in jedem Artikel zeigen, wie richtig er lag/ liegt
    * eine alternative Theorie zu der des Lehrers zimmern und propagieren, die in Wirklichkeit nur eine alphabetische Variante der Lehrer-Theorie ist (dies ist für jeden erkennbar, nur für den Schüler des Lehrers nicht)
    * den akademischen Lehrer im Umgang meiden wie der Teufel das Weihwasser ODER ständig den Kontakt suchen
    * bei Begegnungen mit dem akademischen Lehrer in Doktoranden-Manieren zurückfallen, obwohl man inzwischen selbst Professor und akademischer Lehrer für andere ist
    * thematisch und methodisch im Fahrwasser des Lehrers bleiben, egal was sich im Fach tut
    So, und was ist das mit der ‚inneren Freiheit‘, die erwachsene Kollegen und Kolleginnen haben? Für mich bedeutet das, nicht zu leugnen, wie wichtig der akademische Lehrer war und die Spuren seiner Einsichten im eigenen Werk klar zu erkennen. Ihn zu achten für das, was er beigetragen hat in der Community. Dann aber auch sich selbst zu achten und seinen eigenen Weg zu gehen, sich für das Fach als ganzes zu öffnen und dabei die enge Bindung an den Lehrer zu lockern. Diese Öffnung kann einen inhaltlich-technisch-methodisch sehr vom Lehrer entfernen, und das nehmen erwachsene Leute als Bereicherung wahr. Bei gelegentlichen Begegnungen mit dem Lehrer die eigenen Gedanken und Umentscheidungen thematisieren können, sich mit dem Lehrer auseinandersetzen können. In Freundschaft und in Gedankenfreiheit.
    Hm. Alles das ist sexusunabhängig. Männer haben hier diegleichen Schwächen/ Stärken wie Frauen.
    Um Deiner Frage eine andere hinzuzugesellen: Wie unterscheidet sich der Prozess des Erwachsenwerdens bei Männern und Frauen? Welche Teilprozesse sind eher männer-, welche sind eher frauenspezifisch? Ich glaube nicht, dass es sehr viele sexusspezifische Prozesse gibt. Was meinst Du?
    (Wahrscheinlich das Gegenteil, sonst würde Dein Buch ja kaum eins über Männer sein. Bin neugierig.)
    Beste Grüsse,
    Monika

  3. Roland Kopp-Wichmannon 13 Mai 2008 at 08:22

    Hallo Monika,
    herzlichen Dank für Deinen – wie immer – interessanten und anregenden Kommentar.

    Verlag und Buchtitel darf ich leider noch nicht nennen. Auch in dieser Branche ist die Jagd nach guten Themen sehr groß, beschied man mir.

    Zu Deinen Erfahrungen als Lehrende. Ich denke, immer wenn man mit Autoritäten – oder wen man dafür hält – zu tun hat, werden bei den meisten Menschen Übertragungsgefühle wirksam. Bei Autoritäten sind das natürlich die Erfahrungen, Gefühle und Überzeugungen, die man in Bezug auf die eigenen Eltern erlebt hat.

    Den meisten Menschen ist das unbewusst. Sie wehren sich ja auch oft dagegen, wenn man den Grund Ihres Verhaltens nicht in der Person des Lehrers vermutet, sondern in der Person selbst.

    Mir fällt das immer auf, wenn der Bundestag seine Diäten erhöht. Der Aufschrei, der dann durch das Land und die Medien geht, erinnert mich an frühere Diskussionen mit meinen Kindern, warum wir Eltern beim Taschengeld der Kinder „so knausrig“ sind und das einfach so bestimmen können, und wir uns andererseits ein neues Auto/PC etc. kaufen …

  4. Teufelinchen1979on 14 Mai 2008 at 18:49

    Hallo Monika,

    bitte nicht bös nehmen, ich hätte dies auch gerne als Laie verstanden. Das Buch soll ja auch für Menschen sein, die etwa dazulernen möchten.

    Lieben Dank im Voraus!

  5. Ulion 23 Jun 2008 at 22:15

    Bei der Definition von Erwachsensein würde ich persönlich keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen machen wollen. Bei den Auswirkungen schon eher – schließlich sind Männer und Frauen recht verschieden.

    Aus meiner Sicht hat Erwachsensein etwas damit zu tun, wie gut ein Mensch sich selbst kennt und zu sich stehen kann. Es bedeutet, unabhängig und abgenabelt vom Elternhaus und der Kindheit zu sein. Mit der inneren Distanz zum Gewesenen, zu der Rolle, die man gespielt hat, den Strukturen und Zwängen, kann ein Mensch beginnen, die Dinge von außen zu betrachten. Das bringt ihn zum Verstehen und näher zu sich. Wenn ein Mensch sich klar darüber ist, wer er ist und wo er steht, dann kann er damit seinen Frieden und sich frei auf den Weg machen.

    Wie aber erkennt man das? Wenn genügend Distanz zur Vergangenheit da ist, kann man ihr auch wieder und anders begegnen. Das bedeutet eben, dass man nicht in die alte Rolle zurückfällt, wenn man seinen Eltern begegnet. Es bedeutet aber unter Umständen auch, dass man aufhört, dagegen zu kämpfen (wenn man das früher getan hat). Schaut man sich Ihr Beispiel mit dem Kommentar zur Frisur an, könnte die erwachsene Reaktion vielleicht sein: „Ah, Du findest also ich müsste mal wieder zum Friseur.“

    Erwachsensein bedeutet für mich auch, Verantwortung übernehmen zu können, Verantwortung für das, was man tut oder nicht tut, bewusst oder unbewusst. Ein in meinen Augen erwachsener Mensch macht seltener andere oder Umstände für seine Situation verantwortlich. Er reflektiert, was er selbst dazu beigetragen hat und was er in Zukunft beitragen kann.

    Nun also zur Frage, wie sich das Erwachsensein in meinen Augen bei einem Mann auswirkt. Ein erwachsener Mann drängt eine Frau nicht in die Rolle seiner Mutter, kann seinem Vater verzeihen (wenn es Streit gab) oder kann ihn kritisch hinterfragen (wenn er verherrlicht wurde und er sich als Sohn in Anpassung übte). Er verhandelt mit anderen und entwickelt sich weiter. Er hört Meinungen und fällt darauf basierend eigenverantwortlich Entscheidungen zu denen er stehen kann, eventuelle Fehler kann er sich eingestehen. Er scheut sich nicht, sich selbst zu begegnen.

  6. Roland Kopp-Wichmannon 25 Jun 2008 at 06:30

    Hallo Uli,
    danke für Ihren langen und wohl formulierten Kommentar.

    Ich kann Ihnen in allen Punkten nur zustimmen. Wenn ich es lese, klingt es fast schon „ideal“ für mich. Vor allem, wenn ich mein eigenes Verhalten und das meiner Mitmenschen in bestimmten Situationen dagegen betrachte.

    Insofern denke ich, dass Erwachsen-Werden nach Ihrer Definition ein Großteil des Lebens in Anspruch nehmen kann – wenn das reicht.

  7. Ulion 27 Jun 2008 at 20:20

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    ich denke tatsächlich, dass Erwachsenwerden ein Prozess der Abnabelung ist. Das Abnabeln zieht sich durch die gesamte Kindheit, was ich derzeit sehr schön bei meinen eigenen Kindern beobachten darf. Für mich beginnt dieses schon mit der Geburt. Vom Abstillen über das erste „NEIN“ zur „ALLEINE“-Phase, zum Trotz, etc. Da kommt täglich etwas Neues hinzu. Aber dieser Prozess ist ja nicht abgeschlossen, wenn einer den Führerschein gemacht hat, oder zum ersten Mal seine eigene Wäsche gewaschen hat. Die Entwicklung zum eigenständigen, unabhängigen Menschen ist vermutlich für die meisten eine Lebensaufgabe, und wenn ich genau darüber nachdenke, fallen mir nur wenige Menschen ein, die ich für unabhängig und „ideal“ erwachsen halte. Um ehrlich zu sein, denke ich so nur über meine eigene 87-jährige Großmutter 🙂 Sie hat ihren Frieden mit ihrer nicht immer einfachen Vergangenheit gemacht und hat einen sehr distanzierten Blick darauf. Gleichzeitig ist sie ein fröhlicher Mensch, der seine Umgebung bereichert. Menschen ohne unnötigen Ballast mit innerer Leichtigkeit können so viel geben.
    Also vermutlich habe ich mit meiner Definition des idealen Erwachsenseins etwas hoch gegriffen. Wo aber zieht man die Grenze? Da wo es reicht zum Ausziehen? Da wo es für einen verantwortungsvollen Job reicht? Oder man bereit ist für die erste ernsthafte Beziehung oder eine Familie zu gründen?

    Ich bin übrigens schon wahnsinnig gespannt auf Ihr Buch.

    Viele liebe Grüße,
    Uli

  8. Roland Kopp-Wichmannon 28 Jun 2008 at 06:48

    Hallo Uli,
    Erich Fromm sagte mal sinngemäß, dass man das ganze Leben als einen Prozess des „Geboren-Werdens“ betrachten könne. Das finde ich ein schönes Bild.

    Mit der Ablösung ist es glaube ich, genauso. Am Ende unseres Lebens kommt ja noch einmal eine ganz große Ablösung, die es zu bewältigen gibt.

    Erwachsensein zeigt sich für mich vor allem an der Beziehungsfähigkeit zu einem anderen Erwachsenen. Das Ausziehen von zu Hause, nicht nur das reale, auch das innere Verlassen des Elternhauses sind dabei wichtig. Ob man tüchtig im Job ist, halte ich für zweitrangig. Einen Hausmann, der seinen Mann steht und seine Frau liebt, halte ich für erwachsener, als einen erfolgreichen Geschäftsmann, der keine intime, langjährige Beziehung leben kann. Das Familiengründen ist auch ein wichtiger Punkt. Denn hier zeigt sich, ob man in der Lage ist, etwas „Drittes“ (das Kind“) in sein Leben aufzunehmen und weiter eine intensive Beziehung zum Partner aufrechtzuerhalten. Oder ob man dann dauernd rivalisiert, selbst zum Kind wird oder sich emotional zurückzieht.

    Danke für Ihren Kommentar und Ihr Interesse am Buch. Es macht ganz gute Fortschritte.

  9. Marianneon 28 Jun 2008 at 19:13

    Lieber Roland,
    Wann erkennt Frau, dass Mann erwachsen ist oder besser wird ( dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt: … Mann, dass Frau erwachsen …… ) :
    1.) Dass er EHRLICH zu sich selber und zur Partnerin ist.
    2.) Dass er seinen Eltern und damit sich nichts mehr beweisen muss ( seiner Frau sowieso nicht ). Er hat Geduld mit sich.
    3.) Dass er aufhört, perfekt sein zu wollen: “ il faut oser “ sagen die Franzosen ( man muss es wagen … egal, was letztlich rauskommt ).
    4.) Dass er sich klar positioniert ( im Leben und in der Partnerschaft wie auch in Beziehungen zu anderen ). Hierzu gehört auch ein uneingeschränktes JA zum Partner,
    welches ein ebensolches uneingeschränktes Nein zu Partnerkonkurrenten bedingt.
    5.) Dass er keine Scheu vor Veränderungen hat, wenn er sie als Verbesserung erkennt.
    6.) Dass er das “ sich und seine Landkarten aktualisieren “ als spannende stets erneute Befreiung versteht ( und nicht als letztendliche Abwertung der eigenen Person, weil “ wer
    perfekt ist – s.o. “ hat das nicht nötig )
    7.) Dass er SICH “ seine Sünden “ verzeiht – er wäre ohne sie nie das, was er gerade jetzt geworden ist, Erwachsen.
    7.) zu guter Letzt ( die Liste kann ich später bestimmt noch ergänzen ): dass Man(n) sich
    Offenheit, Neugierde und (Lebens-) Freude bewahrt.

    Nochmals vielen Dank für das, was ich in Deinem Seminar mitnehmen durfte: ein entscheidendes Stück “ Erwachsenwerden “ , es ist nicht einfach, manchmal geht es ohne Hilfe nicht !
    Viele Grüße

  10. Roland Kopp-Wichmannon 29 Jun 2008 at 06:51

    Hallo Marianne,
    eine gute Zusammenstellung, die Du da lieferst.
    Gut, dass Du darauf hinweist, dass diese Merkmale natürlich auch für Frauen gelten.

    Danke für Deinen Kommentar.

    PS: Ich wundere mich, wo die Kommentare der Männer bleiben …

  11. […] in “PSYCHOLOGIE HEUTE” und FOCUS, etliche Interview-Anfragen von Zeitschriften, einen Buchvertrag, eine Authority von 48 und 142 Links auf anderen Blogs bei Technorati, rund 370 Abonnenten meines […]

  12. Manfredon 02 Jul 2008 at 17:31

    Hallo Roland !

    Ich werfe nur eine These in die Diskussion:

    „Ein Mann ist erwachsen, wenn er nicht mehr Gast in seinem Leben ist, sondern es als sein eigenes lebt.“

    Als Kind ist man von Erwachsenen umgeben, die einem sagen, was man so tut und was sich gehört. Typisch der Satz: „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernst Du !“
    Als Kind hört man das X-mal – und lernt dennoch für die Schule…für die Eltern…

    Später kommen andere, die einem einen Rahmen geben, Dinge vortun, womöglich Entscheidungen abnehmen…Es ist alles so bequem…Aber man verpasst sich selbst….Solange man sich treiben läßt, mitschwimmt, bleibt man Gast im eigenen Leben…

    …bis man dies erkennt und dann wirklich erwachsen wird. Das kann sehr lange auf sich warten lassen.

  13. Roland Kopp-Wichmannon 02 Jul 2008 at 18:17

    Hallo Manfred,
    völlig einverstanden mit Deiner Ansicht. Es ist sehr bequem – aber man verpasst sich selbst.
    Danke für Deinen Kommentar.

  14. Stefanieon 06 Jul 2008 at 16:17

    Hallo…
    Beim Lesen der Frage und der bereits geschriebenen Kommentare fiel mir eher eine Beobachtung ein, als eine selbst ermittelte Antwort.
    In meiner Hundeschule unterrichte ich oft Frauen, die allein zum Training kommen. Kommt der Mann dann mal mit, zeigt sich in der Regel folgendes Bild: Er dominiert alle Beteiligten (Frau, Hund, Kinder, manchmal auch mich). Oder die Frau trainiert den Hund, der Mann beobachtet nur und überlässt fast alles der Frau.
    Ich empfinde in dieser Situation dann einen Mann als erwachsen, wenn er sich sanft und geduldig von seiner Frau oder von mir zeigen lässt, „wie das geht“.

    Stefanie Meermann, die sich als Hundetrainerin gern etwas über Männerdenken anlesen würde 😉

  15. Roland Kopp-Wichmannon 06 Jul 2008 at 16:49

    Hallo liebe Frau Meermann,
    das ist ja eine nette (nicht so schmeichelhafte) Beobachtung, die Sie über Männer gemacht haben. Ihre Schlussfolgerung „Ich empfinde in dieser Situation dann einen Mann als erwachsen, wenn er sich sanft und geduldig von seiner Frau oder von mir zeigen lässt, wie das geht” deckt sich übrigens mit einer Bemerkung des berühmten Paarforschers John Gottman, der sagte, dass die Qualität einer Beziehung sehr davon abhängt, inwieweit der Mann in der Lage ist, sich von seiner Frau etwas sagen lässt.
    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Mein Buch über Männerdenken erscheint im Frühjahr 2009.

  16. Marianneon 09 Jul 2008 at 15:54

    Hallo Roland,

    weitere Ergänzungen der „Liste“ für Männer/Frauen:

    1.) dass reale Zusagen an sich selber ( wie auch an den Partner ) eingehalten werden
    – es ist, glaube ich, für eine “ erwachsene“ Beziehung unerlässlich, sich auf den
    anderen “ verlassen “ zu können. Hierzu sollte man sich auf „sich“ verlassen
    können.

    2.) Entsprechend dem Artikel im vorletzten FOCUS:

    – authentisch sein (eins/einig mit sich selber). Daraus erwächst ein grundsätzlich
    positives Lebensgefühl. Ein authentischer Mensch jammert nicht. Er steht zu seinen
    Entscheidungen mit allen Konsequenzen. Oder anders ausgedrückt (entsprechend
    Deiner Formulierung) : er zahlt den Preis, für das was er haben will ( und versucht
    nicht, den Preis runterzuhandeln ).

    3.) Ein „erwachsener oder weiser“ Mensch wird sicher nicht „everybodies Darling“ sein können. Er wird aber geschätzt und gemocht sein. In der Sprache auch gerne mit dem Begriff “ integer “ beschrieben.

    Viele Grüße

  17. Karinon 24 Jul 2008 at 09:23

    Hallo Roland,

    ob ein Mann (und genauso eine Frau) erwachsen ist, erkenne ich am besten, sobald Schwierigkeiten und Konflikte auftauchen.
    Mit „Erwachsenen“ lässt sich eher früher als später einigermaßen vernünftig über ein Konfliktthema reden. Sie sind bereit, auch bei sich selbst zu schauen, was ihr Beitrag zum Konflikt ist und was sie an ihrem eigenen Verhalten ändern könnten. „Unerwachsene“ beschuldigen auf Teufel komm raus den andern, sind rechthaberisch von ihren eigenen Ansichten überzeugt und hören nicht zu. Die Fähigkeit, das eigene Verhalten kritisch zu betrachten, Konfliktsituationen auch mit einem Quentchen Humor zu nehmen, nicht um jeden Preis den andern zum Schuldigen erklären zu wollen – das ist für mich ein wesentliches Kriterium von „Erwachsensein“.

    John Gottman, der amerikanische Paartherapeut und Autor („Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe“ – ein Super-Buch, wie ich finde) behauptet ja, schon nach vier Minuten könne er an der Art und Weise wie ein Paar streitet erkennen, ob die beiden weiterhin glücklich zusammen bleiben werden.

    Ob jemand konkret in einer Beziehung lebt oder längere Zeit gelebt hat – in einem Blogbeitrag wurde das genannt -, ist für mich kein Kriterium für Erwachsensein. Beziehungen können auch lange „funktionieren“, weil die Partner bereit sind, viele Zugeständnisse zu machen und Frustrationen zu ertragen, aber dabei unglücklich und unzufrieden sind. So beobachte ich das zumindest in meinem Freundeskreis.

    Ein Punkt, den ich bei der Suche nach einem „erwachsenen“ Partner positiv bewerten würde, wäre zum Beispiel, dass jemand schon einmal in einer Selbsterfahrungsgruppe war, auch eine Männergruppe würde ich dazu zählen, oder in Therapie war oder ist. Denn das drückt für mich aus, dass ein solcher Mensch bereit ist, sein eigenes Verhalten zu reflektieren. Der Starke Mann, der völlig von sich überzeugt ist, ist für mich kein „erwachsener“ Mann. Auch wenn ich natürlich ein gehöriges Quantum Selbstbewusstsein für wichtig halte – aber eben in Verbindung mit Selbstreflexion. Die frustrierensten Beziehungserfahrungen hatte ich immer mit Männern, die dazu nicht in der Lage waren. Und als Frau tut man gut daran, sich bald aus solchen Beziehungen zu verabschieden.

    Soviel von mir zu deiner Frage.
    Viel Spaß beim Schreiben deines Buches
    Karin

  18. Roland Kopp-Wichmannon 26 Jul 2008 at 10:20

    Hallo Karin,
    danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Dass sich Erwachsensein zeigt, wenn es schwierig wird im Leben oder in Beziehungen ist ein guter Punkt. Denn dann greifen entweder die von Dir beschriebenen „kindlich-jugendlichen“ Strategien oder jemand ist eben in der Lage, „reifere“ Verhaltensweisen zu zeigen.
    Bei meiner Definition, länger in einer Beziehung zu leben, meinte ich natürlich nicht Beziehungen, die nur aufgrund von resignierten Kompromissen getragen werden, sondern lebendige Beziehungen. Und dafür braucht es eben die Reflektionsfähigkeit eines Erwachsenen.
    All das lernt man selten im Alltag. Insofern stimme ich Dir zu, dass die Bereitschaft, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen (Therapie, Selbsterfahrungsgruppe etc.) für die meisten Menschen notwendig ist. Sonst „funktioniert“ man eben nur über den „inneren Autopiloten“.

  19. Tom Koehleron 12 Sep 2008 at 01:14

    Lieber Roland,

    der Volksmund beobachtet, dass der Unterschied zwischen einem Jungen und einem Mann, lediglich in Größe und Preis seines aktuellen Spielzeugs liegt.

    Wenn gleichzeitig Steve Biddulph in seinem phantastischen Buch „Männer auf der Suche“ mit seiner Behauptung recht hat, die sinngemäß lautet: „In der westlichen Welt gibt es kaum noch „Männer“ nur noch große Buben – und die spielen Große-Buben-Spiele“, dann würde es schwer fallen, „in freier Wildbahn“ bzw. im Alltagsleben „richtigen“ Männern zu begegnen.

    An der Frage woran man denn einen „richtigen“, einen erwachsenen Mann erkennen kann, dürften vor allem die Männer verzweifeln – für mich auch der Grund, warum sich in so einem Blog nur wenige Männer äußern….

    Ein Persönlichkeitstrainer aus Heidelberg hat mir mal gesagt: „Sag es in kurzen Worten, dann bist du auch in Verbindung mit deinem Gefühl“; also dann:

    Was zeichnet einen erwachsenen Mann aus?

    Unabhängigkeit: Er handelt aus seinem inneren Wertesystem (seiner Überzeugung) heraus. Er rechtfertigt sein Wertesystem nicht. Im besten Fall wirbt er dafür!

    Verbundenheit: Bei allem was er tut, ist er verbunden mit sich und seinem aktuellen Umfeld. (Das kann ein besonderer,romantischer Moment mit seiner Frau, eine Differentialgleichung oder ein DFB-Pokalfinale sein)

    Achtsamkeit: Er geht mit sich, seiner Familie und seinem Umfeld achtsam um; er begegnet und akzeptiert seine Partnerin auf Augenhöhe, er ist in Kontakt mit den Gefühlen und Bedürfnissen seiner Kinder.

    Verantwortungsbewußtsein: Seine Entscheidungen sind nicht nur vom aktuellen Moment beeinflusst. Ein indianisches Sprichwort sagt sinngemäß: „Ein Mann sollte versuchen alle Auswirkungen seines Handelns auf sieben Generationen im voraus zu bedenken.

    Vertrauen: Er vertraut sowohl sich selbst als auch anderen.

    Humor: Er kann über alles herzlich lachen – vor allem über sich selbst!

    Führung: Er führt (seine Familie, sein Team, seine Firma etc.) ohne zu dominieren. Er kennt und beachtet die jeweiligen „Regeln“, weiß aber auch wann und wie sie zu brechen sind.

    Verlässlichkeit/Aufrichtigkeit: Er steht zu seinem Wort, er „eiert“ nicht rum, er „rudert nicht zurück“. Im Unterschied zur Zuverlässigkeit, die sich an der Beobachtung von Pünktlichkeit oder der Häufigkeit der freiwillig rausgetragenen Müllsäcke erfreut!!

    Kommunikationsfähigkeit: Er ist in Kontakt mit seinen Bedürfnissen und Gefühlen und kann darüber so frei und locker sprechen, wie über die Bundesligaergebnisse der letzten Wochen!!

    Ich denke es gibt da noch einige andere Fähigkeiten/Eigenschaften – diese sind mir spontan zuerst eingefallen. Wobei ich glaub,e dass die Ursprungsfrage gar nicht nach Fähigkeiten fragt, sondern vielmehr nach einer Haltung, die all diese Fähigkeiten – und noch einige mehr – beinhaltet, vielleicht sogar bedingt.

    Doch, wie kommt Mann heute zu solch einer männlichen Haltung??

  20. Durch Vorbild der eigenen Väter, die selbst vaterlos aufwuchsen, weil der Krieg ihre Mütter verwitwete?
  21. Durch die Abwesenheit ihrer Väter, die sich in Job/Karriere aufreiben, damit es die Ihren „besser haben“?? Die einem Männerbild nacheifern,dass es ggf. gar nicht gibt??
  22. Durch die liebevolle, beschützende Erziehung der Mutter, durch Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen?? (Stichwort „Mutter-Sohn“ vs. „Vater-Sohn“ vs. „Eltern-Sohn“)
  23. Durch die Emanzipationsbewegung, in deren Folge 2/3 der Scheidungen von Frauen beantragt werden, die danach wiederum in über 80% der Fälle die Kinder (vaterlos) allein erziehen??
  24. Durch ihre Partnerinnen, die im Alltagsleben oft so viel oder so wenig Kontakt zu Ihrer „Fraulichkeit (Weiblichkeit)“, wie Männer zur Männlcihkeit haben??
  25. Durch eine individualisierte, hochflexible Gesellschaft, in der (Männer)- Freundschaften immer seltener lange halten ??
  26. Durch das Fehlen von Ritualen, die Männer erfahren lassen, wann die Jugend endet und die „Aufnahme“/Initiation in die Gruppe der Erwachsenen vollzogen ist??
  27. Durch das Fehlen von Mentoren, von engagierten älteren Männern, die uneigennützig die Jüngeren unterstützen und fördern??
  28. Durch das Männerbild in den Medien??
  29. Sicher nicht.

    Und ich bin überzeugt, Frauen geht es ähnlich ….

    Da schließt sich der Kreis und gibt den Blick frei auf die auch im Blog hier schon gestellte Frage: „Warum ist der männliche Mann, der „Mann mit Haltung“ im Alltagsleben so selten auszumachen??

    Höchste Zeit für eine Männerbewegung, die zusammen mit der Frauenbewegung zu einer echten Menschenbewegung wird!!

    Schöne, späte Grüße aus Mannheim und viel Erfolg für dein Buch!!

    P.S. Wenn ich das jetzt durchlese, habe ich fast den Drang, als nächstes ein Seminar mit dem Titel „Fasse dich kurz“ zu belegen….. aber nur fast :):) !!

  30. Roland Kopp-Wichmannon 12 Sep 2008 at 04:39

    Hallo Tom,
    endlich! Ein Mann, der einen Kommentar schreibt! Und dann auch noch so lang.Toll!!

    Bei Deiner Aufzählung, die ich gut finde, gefällt mir besonders die Unterscheidung zwischen Verlässlichkeit/Aufrichtigkeit einerseits und Zuverlässigkeit andererseits.

    Deinen kritischen Seitenhieb auf die Frauenbewegung teile ich so nicht. Ich finde sie unterm Strich immer noch ungeheuer wichtig, gerade auch für Männer. Aber durch das Infragestellen der patriarchalischen Geschlechterordnung wurde es natürlich für uns Männer seitdem unbequemer.

    Es stimmt, dass es mir beim erwachsenen Mann nicht um eine Aufzählung edler Eigenschaften geht, sondern eben um eine erwachsene Haltung. Eine Haltung zu sich, zu anderen, zur Welt.

    Danke für Deinen Kommentar, den ich nicht zu lang fand, weil er einfach inhaltsreich war.

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