Jun 12 2009

Kinder brauchen erwachsene Väter.

vater-und-kind_ privat

Bis in die 70er-Jahre waren sogar Fachleute überzeugt, daß im Grunde eine Mutter für die Erziehung der Kinder ausreicht.

Heute finden wir diese Haltung, die die Väter letztlich reduziert auf das Zeugen und Geldbeschaffen nur noch bei linken Feministinnen, rechten Patriarchen und im österreichischen Scheidungsrecht, das immer noch keine Möglichkeit der gemeinsamen Obsorge kennt (und widerspricht damit der UNO-Kinderrechtskonvention).

Gerade die Erfahrungen der Familientherapie waren es, die in den letzten Jahrzehnten sehr deutlich gmacht haben: Kinder brauchen  Mütter und Väter. So wie ein Kind erst aus der gemeinsamen Zeugung erst entsteht, braucht es zur Entwicklung zu einem reifen Menschen wiederum Vater und Mutter. Damit Töchter ganze Frauen und Söhne ganze Männer werden, brauchen sie nicht nur die Fürsorge der Mutter, sondern auch eine gute Beziehung zum Vater.

Diese Einsichten sind inzwischen auch durch empirische Studien untermauert. Die therapeutische Praxis zeigt, daß etwa 85% der Kinder mit gröberen Störungen Kinder sind, die entweder keinen Vater haben, oder einen Vater haben, der in der Familie keine Rolle spielt. Eine deutsche Langzeitstudie hat ergeben, daß 70% der straffälligen Jugendlichen ohne ihren Vater aufgewachsen sind. Das amerikanische Justizministerium kommt in einer Untersuchung zum Schluß, daß in der Frage, ob ein Kind Gefahr läuft, eine kriminelle Zukunft zu haben, die Anwesenheit oder Abwesenheit des Vaters die ein entscheidende Rolle spielt. Jungen, die keinen Vater haben, sind statistisch unfallgefährdeter und auch die Todesgefahr ist bei männlichen Jugendlichen viel größer, wenn sie nicht mit dem Vater aufwachsen. (…)

Das heutige Familiensystem

vater trennung abseitsDas System der heutigen „Durchschnittsfamilie“ schaut ungefähr so aus: Etwas abseits steht der Vater, der dort gar nicht so glücklich aussieht. Er spürt den Abstand und würde gerne näher bei seiner Familie stehen. Er fühlt sich fast abgeschnitten von etwas, das ihm doch sehr wichtig ist.

Auf der anderen Seite steht die Mutter mit den Kindern. Sie spürt, wie wichtig sie für die Kinder ist und schöpft daraus durchaus das Gefühl der Bedeutsamkeit. Gleichzeitig spürt sie aber auch, daß neben ihr etwas fehlt, daß eine stärkere Unterstützung durch den Partner ihr gut tun würde.

Neben der Mutter steht vielleicht ein Sohn, der hier einen sehr unruhigen Platz hat. Er merkt, wie nah er bei der Mutter steht, daß er sich eigentlich von ihr lösen müßte, daß er eigentlich auf die Seite des Vaters gehört und doch nicht wegkommt. Es sind manchmal verzweifelte Bemühungen. Neben ihm steht vielleicht noch eine Tochter, die sich zwar grundsätzlich auf der Seite der Mutter gut aufgehoben fühlt, trotzdem aber immer wieder zum Vater blickt und sich sehnt nach seiner Anerkennung. (…)

Das männliche Ufer

Der kleine Junge merkt, daß er etwas anderes ist als die Mutter und braucht den Vater als das männliche Gegenüber, als Vorbild und männliches Identifikationsobjekt. Fehlt dieses, weiß er zwar, daß er da weg muß, daß er nicht werden darf wie die Mutter, aber er weiß nicht wie und wohin. Fehlt das männliche Ufer vor Augen, werden die Abstoßbewegungen vom weiblichen Ufer immer radikaler und hilfloser. Die Söhne können nicht durch ihre Mütter lernen, was es heißt, Mann zu sein!

Auf dem Weg zum Mannsein brauchen sie Männer, an erster Stelle natürlich den Vater, es können aber auch andere ältere Männer sein. Durch die Mutter weiß der Junge nur, was eine Frau möchte, ein eigenes Männerbild kann sie ihm von Natur aus nicht vermitteln. Tut er, was sie wünscht, bleibt er an ihr orientiert und kann sich nicht lösen. Fehlt ihm die Orientierung an einem greifbaren Mann, wird er alles mögliche machen, auch viel Blödsinn, um nur ja anders als die Mutter und damit krampfhaft Mann zu sein.  (…)

Umgang mit Kraft

Vater Sohn fabienne-lerault-fotoliacom.jpgSöhne müssen das Mannsein von Männern lernen und dazu gehört auch der Umgang mit ihrer Kraft und Aggression. Diese sind schon körperlich bedingt ein natürlicher Bestandteil des Mannseins und ich möchte davor warnen, Aggression vorschnell mit Gewalt gleichzusetzen.

Untersuchungen haben gezeigt, daß die Frage, ob Jugendliche später gewalttätig werden,wesentlich davon abhängt, ob sie schon in frühen Jahren gelernt haben, mit ihrer Kraft umzugehen. Und das ist nun wirklich die Aufgabe der Väter, den Söhnen das Streiten beizubringen. Sie müssen lernen zu kämpfen und dabei gleichzeitig Grenzen einzuhalten, zu kämpfen, ohne jemand zu verletzen. Sie dürfen ihre Kraft nicht unterdrücken, aber sie müssen
lernen, mit ihr gut umzugehen. Da mag es aus Sicht der Mütter schon manchmal rauh zugehen,aber die Mütter müssen ja nicht immer dabei sein.

Der gewalttätige Mann ist nämlich durchwegs jener, der es nicht gelernt hat, mit seiner Aggression und Kraft umzugehen. Gewalt und Brutalität sind gerade nicht Ausdruck männlicher Stärke. Vielmehr sind es innerlich schwache und unreife, manchmal auch hilflose und überforderte Männer, die zu körperlicher Gewalt greifen. (…)

Softies, Machos, Schürzenjäger

vater sohn erwachsen konfliktMuttersöhne können als erwachsene Männer verschiedene Ausprägungen haben. In einer etwas vereinfachten Typologie gibt es da einmal den Softie, den schüchternen Weichling, von dem man das Gefühl hat, er sei noch nie auf seinen beiden Füßen gestanden, er suche immer noch die Mutterbrust.

Ein Gegenstück ist der eher gewalttätige Macho, der viel Kraft aufwendet, um sich ständig gegen das mütterliche Übergewicht abzugrenzen. Nicht selten haben sie deshalb auch eine Abneigung gegenüber Frauen. Er ruht nicht in seinem Mannsein, sondern glaubt es ständig beweisen zu müssen. In jeder Schwäche sieht er die Gefahr, aus dem ‘Männlichen’ wieder herauszufallen.

Auch der Schürzenjäger ist im Grunde fixiert auf Mutters Schürze. Es sind jene, die hinter jeder Frau herjagen, weil sie eigentlich ihre Mutter suchen, sie natürlich nicht finden und auch nicht kapieren, daß man die eigene Mutter nicht heiraten kann. Müttersöhne sind grundsätzlich auf eine eher unreife Art auf Frauen fixiert und tun sich oft schwer, ein Frau wirklich als Partnerin zu nehmen.

Nicht die Schuld den Müttern

An dieser Stelle muß aber nochmals klar gesagt werden, daß es nicht angeht, nun die Schuld einfach den Müttern zuzuschieben. Wenn von Schuld geredet werden kann, ist es vor allem der fehlende Vater, der diese Symbiose ausgleichen hätte können. Noch besser wäre es vielleicht, gar nicht von Schuld zu reden, niemand zu verurteilen und aber trotzdem die Dinge klar zu sehen. Am wenigsten ‘schuld’ ist sicher das Kind selbst. (…)

Dieser Text stammt aus einem Vortrag von Markus Hofer. Ich finde ihn so gut, dass ich ihn hier in Auszügen einfach wiedergebe. Den ganzen Vortrag können Sie sich hier herunterladen und lesen.

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Fotos ©  Ein Buchleser, aufgenommen von Alicia Dieminger
fabienne-lerault, bellestock- Fotolia.com

4 Kommentare bisher

4 Kommentare to “Kinder brauchen erwachsene Väter.”

  1. Monaon 11 Jul 2009 at 15:00

    Es ist, vereinfacht ausgedrückt, ein Teufelskreis: die Abwesenheit von (erwachsenen ) Vätern/Männern führt zur vermehrten „Produktion“ von Muttersöhnen.
    Diese wiederum können keine erwachsenen Väter sein, so dass erst recht
    Muttersöhne resultieren. Es gibt zwangsläufig immer weniger „Männer“.

    Tragisch für die nächsten Frauengenerationen ? Ich wünsche meiner Tochter,
    weiß Gott, keinen Muttersohn, meinen (zukünftigen) Enkeln auch nicht einen solchen Vater.
    Man könne einwenden, dass ja die Zunft der Psychologen helfend eingreifen kann.
    Ja – aber doch nur, wenn der aufgesuchte Therapeut seinerseits “ erwachsen “ ist. Mir begegnen (beruflich und privat) welche, die ich (als „aufgeklärte“ Leserin von Roland Kopp-Wichmann) leider als Muttersohn einstufen muss.
    Diese werden ihre innere Haltung zumeist gerade auch im therapeutischen Umgang mit Patienten eher zu verteidigen suchen.

    Keine so gute Perspektive 🙁

  2. […] in Madonna-Huren-Komplex Sehr guter einführender Beitrag über die Erziehung von Jungen und die Väterrolle und welche Wirkung das auf die Männer haben kann. Softies, Machos, […]

  3. Tomon 18 Apr 2013 at 01:07

    Als Erzieher musste ich feststellen, dass in allen Einrichtungen Frauen die absolute Mehrheit bilden und entsprechend oft Druck auf die wenigen Männer ausübten. Die Jungen erlebten, dass sich die wenigen Männer mit ihrer Erziehung und Ideen nicht oder kaum durchsetzen konnten. Dieses Bild der „mächtigen Frau“ und dem „kleinen Mann“ führte zu teilweise großer Verunsicherung der Jungen. Gerechtigkeit, Fairnis und Gleichbehandlung zwischen Jungen und Mädchen könnten kaum hergestellt werden. Fast immer unterlagen die Jungen. Mancher „hübsche Junge“ wurde bevorzugt, besonders wenn er schon Komplimente machen konnte. Wenn die Jungen einmal groß sind, schlagen sie zurück oder fliehen in die Passivität. Solange nicht mehr Männer in die Erziehung gehen und eine gleichberechtigte Struktur schaffen, sicherstellen und verteidigen, wird es immer schwieriger. In allen Einrichtungen der Erziehung und Bildung muss eine Männerqote von 50% geschaffen werden. Alles andere ist Wahnsinn!

  4. Roland Kopp-Wichmannon 18 Apr 2013 at 05:29

    Das ist ein ganz dickes Problem für Jungen, für das es keine einfache Lösung gibt. Aber eine Männerquote ist hier vermutlich genauso schwierig herzustellen wie in anderen männerdominierten Branchen eine gleich hohe Frauenquote.

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